Moretum

Moretum (Aus dem Mörser) – Paste aus Käse, Knoblauch und Kräutern

Der römische Dichter Vergil überliefert uns in einem Gedicht, wie sich der Bauer Simylus am Morgen die Zutaten für einen Brotaufstrich zusammensucht und den Aufstrich herstellt:

Lockert zuerst nur leicht mit den Fingern die obere Erde,
Ziehet den Knoblauch heraus, vier Stück mit dem Wurzelgefaser,
Darauf pflückt er vom Laub des zierlichen Eppichs (Sellerie), Raute
Starrendes Blatt, Koriander, der schwankt am Faden des Stengels.
So hat er alles beisammen und setzt sich ans muntere Feuer
Und von der Dienerin heischt er mit schallender Stimme den Mörser.
Dann befreit er zuerst die Knoblauchköpfe vom Körper,
Blättert die Häute herunter, die äußeren, die er verächtlich
Rings auf den Boden verstreut und wegwirft. die Zwiebel bewahrt er:
Netzt sie und senkt sie hinab in des Steines rundliche Höhlung.
Salz nun streut er darauf, und vom Salze gehärteten Käse
Tut er hinzu, legt oben darauf die erwähneten Kräuter;
Stopft dann unter die struppige Scham mit der Linken den Kittel.
Aber die Rechte erweicht mit dem Stößel den duftenden Knoblauch;
Dann zerstampft sie das Ganze, es wird vom Safte durchdrungen.
Ringsum wandert die Hand: allmählich verlieren die Teile,
Jeder die eigene Kraft: die Farbe aus mehren eine,
Nicht ganz grün, da die Brocken des milchigen Käses es hindern,
Nicht schlohweiß von der Milch, da soviel der Kräuter es färben.
Und mit gerümpftem Gesicht verwünscht er selber sein Frühstück;
Oft auch wischt mit dem Rücken der Hand er die tränenden Augen
Und mit zornigem Wort verflucht er den schuldlosen Herdrauch.
Vorwärts schreitet das Werk, und mehr hüpfend wie früher,
Sondern schwer bewegt sich der Stößel in langsamen Kreisen.
Da nun träufelt er auf vom Öl, dem Palladischen Tropfen,
Gießt auch sparsam dazu den kraftvoll wirkenden Essig
Und mischt wieder sein Werk, und stößt er die Mischung.
Dann erst geht er im Innern des Mörsers mit zweien der Finger.
Rings im Kreis und ballt das Getrennte zusammen zur Kugel.
Jetzt ist fertig die Schöpfung, nach Art und Namen Moretum.

(Das Rezept reicht für ca. 15 Brotscheiben.)

  • 200 g Schafskäse
  • 50 g Pecorino
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • Handvoll frisches Selleriegrün und Koriander
  • 2 EL Raute
  • 1 EL Olivenöl, Aceto balsamico oder Rotweinessig
  • Salz, Kapern oder Oliven zum Garnieren

Zubereitung im 21. Jahrhundert:

Alle Zutaten zu einer Paste verarbeiten.

Der Göttin Athene, bei den Römern Minerva genannt, war der Olivenbaum heilig. Die liebevolle Ausführung der Zubereitung dieser bäuerlichen Brotzeit führt uns zu einem der am genauesten nachvollziehbaren Vorgänge des römischen Alltagsleben.